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SATURN-NEPTUN als Minderheitenkonstellation 16. April 2009

Posted by Archaeus in Alle Beiträge der Startseite (Home), Die Gestalt der Zeit als Gegenwart (Aktuelles).
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Kürzlich erwähnte ich Saturn-Neptun als Minderheitenkonstellation. Aber weshalb steht Saturn-Neptun im System der Rhythmenlehre für Minderheitensituationen? Um dies zu erhellen, müssen wir etwas ausholen.

Verlust des Ursprungs

Wenn Neptun im Aspekt Saturn-Neptun direkt und unter Auslassung von Uranus auf Saturn trifft, dann hat das Prinzip (Neptun) eines Lebens keinen Ursprung (Uranus) gefunden, d. h. es fand sein Fenster in die Zeit nicht, es blieb Potential, ohne einen zeitlichen Anfang zur Verwirklichung finden zu können, sei es nun im Ereignis oder in der Geschichte der Vorfahren, der Schicksalsfaden konnte nicht wie vorgesehen gesponnen werden. Wenn die Unendlichkeit des Potentials (Neptun) auf die individuelle Bestimmung der Gestalt eines Lebens (Saturn) trifft, ist wahrlich Chaos angesagt.

Phantasie und Paranoia, Überflutung und Konkurs

Und darauf reagieren Menschen mehr oder weniger mit Panik, mit Angst. Verfolgt von der Unendlichkeit der Möglichkeiten, erlangt nichts Gestalt, nichts fügt sich wirklich in die Zeit. Was bleibt, ist die Spielwiese der Phantasie. Diese beschreibt oder erschafft die Welten jenseits des zum Ursprung Gekommenen, das im Meer der potentiellen Seins Verbliebene. Dies geschieht entweder paranoid, falls nämlich diese Inhalte auf die Ebene der Dinglichkeit projiziert werden, oder erträumend in der Kunst. Manchmal auch beides, dann spricht man von kafkaesk. Nicht ohne Grund, denn Franz Kafka hatte eine sehr enge Konjunktion von Saturn-Pluto (= chronisch-verhärtete Form von Saturn-Neptun) im Zwilling, erträumte somit die Gefangenschaft in den konkreten sinnentleerten Funktionen einer Gesellschaft, die Ursprung und Bestimmung nicht achtet. Diese Überschwemmung durch die gesammelten Inhalte des Unbewußten wird des öfteren reale Erscheinung in der konkreten Überflutung, wenn der Damm der alten Form (Saturn) durch die strömenden Wasser des Neuen (Uranus) bricht und sich die Stauung des Saturn-Uranus damit löst. Eine andere Realitätswerdung findet sich im finanziellen Konkurs. Auch hier schwemmt die Schuld gegenüber dem Prinzip (Neptun) falsche Ursprünge (Uranus) hinweg, mit ihnen Hab und Gut (Stier-Venus). Hier ist dann die irdische Auswirkung des Saturn-Neptun im Mars-Merkur der unteren Ebene sichtbar geworden, bei dem die Venus als Lücke herausfällt. Auch die Diagonale Merkur-Neptun zeigt sich in der dazugehörigen Uferlosigkeit und Revierlosigkeit. Doch bietet in allem Kummer ob des Verlorenen eine wiedergewonnene Freiheit die Chance für einen neuen Ursprung und seine Gestaltwerdung, sofern nicht alte Muster der Verdrängung in die Wiederholung zwingen.

Die Opferung als Vorgang des Kollektivs

Saturn-Neptun ist die klassische Opfer-Konstellation. Geopfert wird die Lücke der Konstellation, also Uranus, der Ursprung eines Lebens. Das bedeutet nichts anderes, als die Opferung eines Individuums, entweder hinsichtlich seiner realen Existenz oder in Bezug auf die Verwirklichung seiner Bestimmung, die aus dem Uranus heraus folgen müßte.

Eine Gemeinschaft, die meint, Opfer bringen zu müssen, um die Götter gnädig zu stimmen, hat genau den richtigen Instinkt. Weshalb müssen die Götter denn gnädig gestimmt werden? Weil die Gemeinschaft auf die eine oder andere Art gegen das Prinzip verstoßen hat, „gegen Gott gesündigt hat“, wobei Gott nichts anderes ist als die landläufige Bezeichnung für den Urersten, also das Prinzip der hintergründigsten Wirklichkeit. In rhythmischer Wiederkehr fordert nun die Fügung zu den Zeiten entsprechender Konstellationen eine Bereinigung von dem Nicht-Gewordenen. Die Zeit läuft ab für das, was nicht Form der Gestalt geworden ist, und es muß die Energie für seine Erscheinung wieder aus der Figuration freigeben. Aus menschlicher Sicht erscheint diese Reinigung von der Form des Verdrängten meist negativ-zerstörerisch.

Vereinfacht gesagt, wird in rhythmischen Abständen Bilanz gezogen. Kollektive haben nun im Laufe der Zeit eine Methode entwickelt, in einer Art Pseudobereinigung mit zeitlich begrenzter Ventilfunktion, sozusagen in vorauseilendem Gehorsam, zu opfern. Zur zeitweiligen Befriedung der in der Fügung auftauchenden Konstellationen opfert das Kollektiv stets seine Schwächsten und schützt in dieser zynischen Rechnung damit alle anderen. Die Schwachen, die geopfert werden, sind schon in den Legenden und Mythen mit Vorliebe Kinder oder Jungfrauen (unter dem Vorwand von deren Reinheit), also Frauen und Kinder, Kriegsgefangene (wie bei den Azteken), Angehörige von ethnischen Minderheiten, andere sozial schwach Gestellte, oder – im Maße zunehmender Zivilisation – Haustiere, noch später Früchte. Ich will hier gar nicht von der christlichen Opferung von Blut und Leib (beides Stier-Venus) sprechen, sei es konkret in der Person Jesu oder transzendiert im Abendmahl. Heutige Opferungen geschehen zunehmend in Form von Massenkatastrophen, die bei genauerem Hinsehen erstaunlich oft durch sich mehrfach überlappende Nachlässigkeiten aus Profitgier verursacht sind.

In der Opferung von Uranus, der Lücke zwischen Neptun und Saturn verliert sich in der Folge auch dessen irdisches Pendant, die Venus des Stiers. Wo das Individuelle des Lebens, das im fehlenden Uranus keinen Ursprung fand, verloren ist, da gibt es auch kein Revier, das diesem Ursprung entsprechen würde. Wo oben nichts, da unten nichts! (in Anlehnung an eine populäre esoterische Grundmaxime). Wer keinen Ursprung hat, und in der Folge keine individuelle Bestimmung, keine individuelle Schicksalsgestalt, kann auch das dazugehörige Revier nicht manifestieren. Das Revier ist jedoch ein zentraler Faktor im Kollektiv, das sich nach einer Hierarchie der Macht des Stärkeren und den Zeugnissen dieser Macht ordnet. Und eines dieser Zeugnisse von Rang und Status ist ein großes wohl befestigtes und gut verteidigtes Revier.

Kurzum, wer durch Saturn-Neptun schon einen geschwächten Uranus mitbringt, hat vom Kollektiv nichts zu erwarten. Es respektiert nur Starke im Sinne des Reviers und hat für Individualität wenig Verwendung. Unterwerfung unter seine Zwecke sind für das Kollektiv stets das höhere Gut. Individualität gilt nur etwas, soweit sie diesen Zwecken unterworfen wurde und ihnen ihre Talente unterstellt.

Die Schwachen als Opfer (Wesensfremdheit und Minderheit)

Wodurch ist denn nun Uranus bei Saturn-Neptun so geschwächt?

Nun, entweder durch beständige Blockierung des Individuums im familiären Verband und seinem Umfeld, die noch besonders provoziert wird durch die Wesensnähe zu Neptun, die zunächst vor allem als Träumerei und Realitätsschwäche in Erscheinung tritt. Dergestalt auf den wirkenden Hintergrund ausgerichtete Menschenkinder sind den heutigen Kollektiven fremd. Solche Pflänzchen wollen gehegt sein, damit die Individualität erstarkt und dann schöpferisch den Himmel tragen kann. Doch dafür haben moderne Gesellschaften kaum einen Sinn. Spätestens mit dem Sieg des anglo-amerikanischen Bildungspostulats, demzufolge im Ergebnis nur der praktische, konkret verwertbare Nutzen einer Erziehung und Bildung zählt, ist diese Haltung auch im Deutschland zwischen den Weltkriegen und vollends nach dem 2. Weltkrieg die oberste Richtschnur für die Orientierung junger Menschen geworden. Welch eine geistige Armut senkt sich doch über das Abendland!

Eine andere Ätiologie von Saturn-Neptun zeigt sich bei Minderheiten im ethnischen Sinn, die auf ganz klassische Weise die Funktion der Schwachen in einem Verband erfüllen. Es handelt sich um Angehörige von Gruppen, die ihren Ursprung verloren haben – entweder durch Fremderoberung und Unterdrückung der Eigenheit ihrer Kultur, oder durch den realen Verlust des heimatlichen Reviers infolge Vertreibung oder anderweitig, oft aus Not, motivierter Auswanderung – und in der Folge an fremden Ufern angespült werden. Auf diese Weise fehlen Uranus und Venus, es entsteht Saturn-Neptun. Ein vollkommenes Bild für diesen Zusammenhang ist der Sündenbock. Die reale Grundlage dieser Metapher ist vielen gar nicht mehr klar: der Ziegenbock im Pferdestall, der die wertvollen Pferde schützen sollte, indem sich alle Krankheiten auf ihm als dem schwächsten, weil wesensfremden Teil des Tierverbands versammelten und abluden. Die Lösung der im Verband entstandenen Schuld (Sünde) gegen das Prinzip wird auf ein wesensfremdes und damit im Verband schwaches Element übertragen. So ist Saturn-Neptun in einem ihm wesensfremden Verband stets ganz real gefährdet.

Der mögliche Schutz

Die Entwicklung einer Eigenständigkeit, die der individuellen Eigenart entspricht, und die sich daraus ergebende Manifestation eines zugehörigen Reviers sind der beste Schutz vor den Gefahren, denen Saturn-Neptun ausgesetzt ist. Es ist nicht zu übersehen, daß dies in einer Welt, in der die Gesellschaft kaum noch Raum für echte Individualität läßt, sondern Freiheit nur durch allerlei überzeugende Illusionen vortäuscht, nicht eben leichter wird. Damit wächst die Herausforderung an das Bewußtsein. Das ist das Gute, das man im Bösen entdecken kann.

(Eine Saturn-Neptun Familiengeschichte findet sich übrigens im „Fluch“ des Kennedy-Clans, ausführlich dargestellt in diesem englischsprachigen Artikel von mir.)

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